Ein Projekt des P-Seminars 2022/24
„Mediale Begleitung des Jubiläumsjahres“

Interview mit Frau Senbert

Frau Senbert unterrichtet schon seit zehn Jahren am Joseph von Fraunhofer Gymnasium, welches sie in ihrer Jugend selbst besucht hat. Sie erinnert sich mit einem Lächeln im Gesicht an die Schulzeit, freut sich aber gleichzeitig auch über die zahlreichen Veränderungen wie den „Wohlfühlaspekt“ und das Verschwinden vom „in den Pausen um einen Mülleimer im Kreis rumlaufen “

Heute unterrichtet Frau Senbert die Fächer Deutsch und Religion.

Im Folgenden Interview haben wir ein paar Fragen zu der damaligen Schulzeit gestellt und ganz interessante und spannende Antworten erhalten…

Frau Senbert in der Oberstufe

Wenn Sie die Schule jetzt und früher kurz beschreiben könnten, was wären die ersten Worte, die Ihnen einfallen?

Heute definitiv modern, wobei zur damaligen Zeit auch modern, braucht man nicht reden. Jetzt geht die Schule sicherlich mit der Zeit, also bei der Ausstattung und auch alles andere, wie es so läuft. Wobei es für mich damals, also vor allem als Fünftklässler „riesig“ und gleichzeitig aber „verstaubt“ wirkte, weil es damals noch nicht renoviert war. Es war praktisch noch ein großer, grauer Betonkomplex.

Waren alle Gebäude, die wir jetzt haben, schon da, oder noch nicht?

Der naturwissenschaftliche Trakt wurde zu der Zeit gebaut. Der ist dann praktisch dazu gekommen, das heißt ich habe den noch erlebt, so in der 10. Klasse Richtung Oberstufe. Aber der ist da tatsächlich gebaut worden als ich hier an der Schule war. Und auch die komplette Renovierung hat zu meiner Schulzeit stattgefunden, also ich habe wirklich ganz viel Baustellenzeit erlebt.

So wie die Schule jetzt ist, wirkt sie auch von außen einladender. Also heut´ würd ich sagen, wirkt das Gebäude allein von außen schon einladender, moderner und innen natürlich auch. Aber ansonsten… wenn ich an die Schule denke, ja es war aufregende Zeit, eine schöne Zeit und aber auch eine Baustellenzeit *lacht*.

Wir waren tatsächlich ausgesiedelt, in der siebten Klasse waren wir unten bei dem Maristen-Wohnheim.  […] Da waren einzelne Klassen immer wieder ausgezogen, weil das Gebäude stockweise renoviert wurde. Es ist immer eine Jahrgangstufe ausgezogen, bis es wieder fertig war.

Das ist eigentlich schon eine gute Überleitung zu der nächsten Frage:

Außer den Gebäuden; was hat sich verändert, seit Sie Abitur gemacht haben? Ganz massiv oder auch Kleinigkeiten.

Also ganz massiv tatsächlich, dass die Ausstattung moderner geworden ist, z.B. Tafeln und ähnliches. Damals hat keiner gedacht, dass man irgendwo ein farbiges Bild zeigen kann. Es hat nicht mal Farbfolien für den Overheadprojektor gegeben am Anfang. Manche Lehrer haben die Folien früher nur mit Hand geschrieben oder mit der Schreibmaschine getippt, da hat man wirklich sehen können, dass manche Folien schon 10 bis 20 Jahre alt waren. In der Hinsicht hat sich schon einiges getan, was aber eigentlich auch dem geschuldet ist, dass sich in der Technik in den letzten fünf Jahren insgesamt einfach so viel getan hat. *überlegt* ansonsten … Lehrer haben sich eigentlich gar nicht so verändert, es sind viele oder einige Lehrer noch da, die ich hatte, manche sind schon in Pension gegangen. Ich habe manche jetzt anders kennengelernt als Lehrer, das ist auch interessant, dass man als Lehrer anders wirkt, als man als Kollege zum Teil ist. Wie gesagt, am massivsten hat sich dieser „Wohlfühlaspekt“ von der Schule geändert. Ich glaube jetzt ist es so, auch wenn man das Gebäude betritt, vor allem als Fünftklässler, findet man sich viel schneller zurecht, und fühlt sich wohl, trotz der vielen Menschen.

Was sich auch massiv geändert hat, ist der Pausenhof. Wir sind alle im Kreis gelaufen…

Außen oder Innen?

Überall!! *lacht*

Es wurde immer im Kreis gegangen. Ich habe letztens Aufsicht gehabt; da glaube ich, ist es auch durchgebrochen, dass man irgendwo noch im Kreis geht. Jetzt gibt es ja die Tische, Bänke und verschiedene Sitzmöglichkeiten. Zu meiner Zeit -selbst nach der Renovierung – waren die Schüler es nicht anders gewohnt. Die haben wieder angefangen, im Kreis zu gehen. Ich weiß selbst, als der hintere Pausenhof gekommen ist, da wo der naturwissenschaftliche Trakt jetzt ist, den hat es am Anfang nicht gegeben, als ich an die Schule gekommen bin. Es war alles nur Parkplatz und Straße, der Sportplatz ist auch erst viel später dazu gekommen; in der Hinsicht finde ich es definitiv eine gute Entwicklung. Ich weiß wirklich, als dieser Pausenhof kam, da stand in der Mitte ein Abfalleimer und es hat keine Woche gedauert, bis alle um diesen Abfalleimer im Kreis gelaufen sind, weil wir nicht anderes gewohnt waren, als in der Pause im Kreis zu gehen. Wie in einem Gefängnis *lacht*

Ich glaube echt, wenn da Fußgänger vorbeigegangen sind, haben die sich gedacht „puh das ist ein Gefängnis, die rennen alle hier im Kreis…“ *lacht*

Ja, aber es war vorne bloß ein viereckiger Platz, keine Bänke, keine Bäume, wie es jetzt ist, es war einfach nur ein viereckiger Platz und was will man dann anderes machen. Vor allem bei der Anzahl an Schülern; wenn man sich bewegen will, ist es am besten, man geht geordnet in die gleiche Richtung und es war tatsächlich überall so, egal ob drinnen oder draußen. Die Lehrer haben damals auch gesagt, sie verstehen es nicht, weil das Ziel wäre schon gewesen, dass es nach der Renovierung definitiv anders wird.

Hat es sich noch anders entwickelt als Sie persönlich an der Schule waren?

Nein! Also zu meiner Zeit tatsächlich nicht. Ich glaube, es hat sich geändert als der Pausenhof ausgestattet wurde mit den Bänken, Bäumen und so. Als ich schon als Lehrerin an die Schule gekommen bin, war ich überrascht, dass es tatsächlich jetzt anders ist, aber es freut mich wirklich sehr. Das ist für mich die positivste Entwicklung und natürlich das die Schule von außen einfach freundlicher jetzt wirkt. Aber ansonsten muss ich sagen, als ich wieder her gekommen bin, habe ich mich nicht fremd gefühlt, es hat sich da in der Hinsicht nicht so viel getan. Die technologische Entwicklung hat eher ab diesem Zeitpunkt stattgefunden, als ich dann schon wieder da war, da hab ich automatisch schon mitgemacht. Jetzt ist es deutlich moderner von der Ausstattung her als zu meiner Schulzeit, aber auch nicht so, dass ich sag „wow ich habe den absoluten Kulturschock erlebt“. Aber die Veränderungen, die es gegeben hat, sind definitiv positiv.

Sie haben vorher erwähnt, dass es viele Lehrer gibt, die es zu Ihrer Schulzeit auch schon gab. Wie fühlt es sich an, mit Lehrern jetzt Kollegen zu sein, die früher höher gestellte Autoritätspersonen waren?

Es kommt immer tatsächlich auf die Personen an. Also insgesamt muss ich sagen, hat es für mich kein Problem dargestellt, weil ich sehr herzlich aufgenommen wurde. Sie haben mir auch die Umstellung nicht schwer gemacht. Niemand hat mir das Gefühlt gegeben, dass ich immer noch diese Schülerin bin, ich wurde gleich als Kollegin wahrgenommen. Natürlich gibt es vielleicht den Einen oder Anderen, wo es vielleicht vom Gefühl her seltsamer ist. Es kommt aber natürlich drauf an, wie das Verhältnis zu dem Lehrer zu der Schulzeit war. Man stellt tatsächlich fest, in der Schule ist man mit manchen als Lehrer nicht klargekommen, aber menschlich an sich oder jetzt als Kollege klappt es eigentlich ganz super. Da merkt man auch einfach, dass es vielleicht mit dem Fach zu tun hatte. Für mein Abitur habe ich schon Fächer gewählt, die ich dann auch studiert habe, aber ich erinnere mich zum Beispiel an Englisch; das war für mich schon immer so ein Fach, da gab es Hochs und Tiefs und es war echt ganz oft wirklich vom Lehrer abhängig. Und selbst, wenn andere gesagt haben „wow für mich ist der Lehrer passend oder super“, für mich war es das in dem Jahr einfach dann nicht. Und da muss ich tatsächlich sagen, dass ich in der Hinsicht auch schlechte Erinnerungen habe, aber das Verhältnis trotzdem zu dem oder zu derjenigen als Kollegen jetzt gut ist. Es ist natürlich schon ein bisschen komisches Gefühl, wenn man in die Schule kommt und weiß, dass die Leute oft sehr viel von dir wissen und man selber über sie sehr wenig natürlich, aber ansonsten…ich sage immer „etwas besseres hätte nicht passieren können“.

Sie haben gerade gesagt, dass die Fächer, die Sie studiert haben Ihre guten Fächer waren. Waren es gleichzeitig Ihre Lieblingsfächer damals?

Ja! Ich habe Deutsch damals als Leistungskurs gehabt. Mein zweiter Leistungskurs war Bio. Wegen Deutsch hat es kurzzeitig echt mal so ausgeschaut, als ob ich für die Oberstufe das Gymnasium wechsle, weil so wenige Deutsch gewählt haben. Am Anfang hat man gedacht, dass der Leistungskurs nicht zusammen geht, aber danach haben sich doch noch ein paar umentschieden; vielleicht deswegen, weil sie gehört haben, welche Lehrer für die anderen Fächer infrage kommen. *lacht*

Auf alle Fälle waren wir um die 20 und dann war ich schon froh, weil ich mich tatsächlich schon mit dem Gedanken abgefunden habe, dass ich für die Oberstufe eventuell das Gymnasium wechsle, weil ich in diesem Fall kein anderes Fach als Leistungsfach vorstellen hätte können. Und Bio war immer schon eines meiner Lieblingsfächer. Ich habe kurzzeitig auch überlegt, ob ich es studieren möchte, aber dadurch, dass ich den sprachlichen Zweig gehabt habe, hatte ich dementsprechend wenig Chemie und das Biologiestudium hat sehr viel mit Chemie zu tun. Wäre mir in den früheren Jahren die Angst vor Chemie genommen worden, hätte ich mich vielleicht anders entschieden.

Ich wollte seit der Grundschule schon Französisch lernen und als es klar wurde, dass wenn ich in der sechsten Klasse Französisch statt Latein nehme und danach verpflichtet bin, Chemie ab der achten Jahrgangsstufe zu haben, konnte ich es mir gar nicht vorstellen und habe in der Sechsten erstmal Latein gewählt und in der Achten spätbeginnend Französisch.

Das eine Jahr Chemie, was ich dann hatte, war für mich zum Teil wie so ein Buch mit sieben Siegeln. *lacht*
Und das hat mich tatsächlich auch vor dem Studium abgeschreckt. Religion hatte ich in der Oberstufe auch, es hatte mir sehr viel Spaß gemacht; ich hab Kolloquium in Religion gemacht und deswegen ist später auch diese Wahl auf Deutsch und Religion gefallen.

In welchen Fächern haben Sie noch Abitur gemacht?

Deutsch und Bio schriftlich, dann habe ich noch Mathematik schriftlich gemacht und in Religion dann Kolloquium.

Wer war Ihr Lieblingslehrer zu Ihrer Schulzeit? Ist dieser noch an der Schule?

Absolut in positiver Erinnerung habe ich in der fünften Klasse die Frau Rehbogen. Sie war meine Klassenleiterin in der fünften und sechsten Klasse. Ich habe sie tatsächlich in absolut guter Erinnerung. Vielleicht liegt es auch daran: Damals als ich Abitur gemacht habe, war in meinem Kuvert mit dem Abiturzeugnis mein Steckbrief von der fünften Klasse mit drin. Sie hat diesen quasi mit guten Wünschen aufgehoben. Das Gleiche habe ich tatsächlich bei meiner fünften Klasse, die ich als erstes Jahr an der Schule hatte, die vorletztes Jahr Abitur gemacht haben, auch gemacht. Weil ich es damals so schön fand, habe ich mir die Sachen auch aufgehoben.

Herrn Bergmann, der leider schon verstorben ist, habe ich auch gemocht. Bei ihm habe ich Bio-Leistungskurs gemacht. Und die Frau Schiedermeier. Vielleicht war sie einer der Gründe, warum ich dann tatsächlich Deutsch studiert habe. Die zwei Jahre in der Oberstufe waren eine schöne Zeit, wo man echt was gelernt hat und trotzdem auch mal außerunterrichtlich was gemacht hat. Ob man sie alle aber als Lieblingslehrer bezeichnen kann … weil ich muss sagen, ich habe kaum Lehrer, die ich in schlechter Erinnerung habe. Höchstens weil das Fach nicht wirklich mein Fach war, aber dass es irgendwas gegeben hätte, wo ich sage „wow das ist total ungerecht oder so“ könnte ich nicht so sagen. Vielleicht ist es auch ein Grund dafür, dass ich mich dafür entschieden habe, an der Schule zu arbeiten, weil ich schon das Gefühlt hatte, dass jeder Lehrer gut mit den Schülern umgeht.

Haben Sie es irgendwann mal bereut, dass Sie Lehrer geworden sind oder an der Entscheidung gezweifelt? Und wenn ja, dann wann?

Ich habe es tatsächlich nie bereut und auch nie gezweifelt. Vielleicht, dass ich kurzzeitig gesagt habe, dass wenn ich keine Stelle beim Staat kriege oder in Heimatnähe arbeiten kann, dann arbeite ich in einem Laden oder bediene in der Zwischenzeit und warte bis ich eine Stelle bekomme, weil ich auf keinem Fall mit einem Aushilfsvertrag in weiter entfernten Städten arbeiten wollte. Als ich mein Studium angefangen habe, hat es geheißen „man braucht Lehrer!“ – dann war ich fertig und es hieß „man braucht keine Lehrer!“
In diesem Moment hat man natürlich Angst, wenn es unsicher ist, ob man eine Stelle bekommt oder nicht. Ich hatte das Glück, dass ich nach meinem Referendariat gleich eine Stelle bekommen habe. Das Einzige, was ich immer gesagt habe ist, wenn es so wie zur Corona-Zeit war, dieser permanente Onlineunterricht, wenn das tatsächlich meine ständige Aufgabe wäre, dann müsste ich einen neuen Job suchen. Das hat für mich nichts mit Unterricht in der Form zu tun, wie ich es mir vorgestellt habe und wie ich es mir wünsche. Dieser Kontakt mit Schülern und nicht nur einfach stur „ich handle meinen Stoff ab, schalte die Kamera aus, wenn sie überhaupt angeschaltet war und tschüss“; bei sowas würde ich mir echt einen anderen Job suchen, das hätte ich auf Dauer nicht geschafft. Für das bin ich nicht Lehrer geworden, dass ich dann nur online unterrichte.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie wussten, dass Sie fest an dieser Schule bleiben?

Nach meinem Referendariat war ich ein Jahr in Ingolstadt, dann habe ich einen Versetzungsantrag gestellt und es hat tatsächlich auch gleich funktioniert. Der Schulleiter dort hat mich gehen lassen und hier ist jemand mit der gleichen Fächerkombination wie meiner weggegangen. Oft dauert es Jahre, bis so ein Antrag genehmigt wird und dann funktioniert. Seit 2013 bin ich an der Schule, habe praktisch schon mein Zehnjähriges dieses Jahr. *lächelt*

Ich bin echt froh, dass es nicht länger gedauert hat, weil es mit der Zeit privat auch schwer wird. Es hätte nichts Besseres passieren können, aber immerhin. Ingolstadt war auch eine sehr schöne Zeit, aber ich war dann auch froh, dass es nur ein Jahr war.

Gab es zu Ihrer Zeit schon Austauschprogramme und haben Sie an manchen teilgenommen?

Also bei uns gab es den Frankreich-Austausch, da war ich in der neunten Klasse als Spätbeginnende dabei. Da hatte ich echt nur ein halbes Jahr Französisch gehabt und dann sind wir ungefähr um die Osterzeit nach Frankreich gefahren, aber es hat eigentlich ganz gut funktioniert. Frau Christoph hatte damals Recht gehabt, sie hat immer gesagt: „ihr werdets´sehen, nach einem halben Jahr könnt ihr mehr Französisch sprechen als die anderen Deutsch, obwohl sie viel länger deutsch haben“. Und USA-Austausch hätte man machen können, aber ich muss sagen, anhand von meiner Erfahrung mit Frankreich damals, wollte ich nicht mehr. *lacht*

So schlimm?

Die Gastfamilie … meine Austauschpartnerin selber war voll nett, aber diese Woche war für mich, was das Essen angeht sehr … schwer …

Normalerweise esse ich alles, aber es gab immer wirklich nur Austern oder nicht ganz durchgebratenes Hühnchen und wir haben nicht wirklich was unternommen. Das, was von der Schule geplant wurde, wurde schon gemacht, aber ansonsten war da nichts. Die Zeit an sich, die ich dort erlebt habe mit meiner Austauschpartnerin und anderen, die dabei waren, war schön. Ich hatte mit dem Mädchen danach noch eine Weile Kontakt und es hat auch viel besser funktioniert als sie bei uns zu Hause war. USA-Austausch wäre noch länger gewesen und dann habe ich gedacht, bevor ich nochmal so eine Familie kriege … hatte ich nicht wirklich das Verlangen danach.

Was war einer der schönsten Momente in Ihrer Schulzeit?

In Frankreich damals fand ich es sehr schön; zum Abschluss waren wir dort in der Disco, das war echt cool, ein schöner Abend. Und ansonsten muss ich sagen: Skikurs in der Flachau, es war einfach so schön. Ich weiß noch, als ich wieder nach Hause gekommen bin, habe ich nicht gesagt „schön, dass ich wieder zu Hause bin“ sondern „schade, dass ich nicht mehr in Österreich bin; es war so schön“. *lacht*

Es hat damals wirklich alles gepasst, die gemeinsamen Abende waren sehr schön, einfach alles. Und der Abischerz; bei uns war es wirklich noch einer. Heute ist es ja teilweise nur Bratwurstsemmeln und Verkauf der Abizeitung.

Wir durften damals das Gebäude so gestalten, dass die Lehrer nicht reinkommen, danach Spiele mit Schülern und Lehrern und es waren nicht nur ein paar Stunden ausgefallen, sondern in der Früh hat man angefangen und geschaut, wie lange es dauert.

Sie haben vorher über Disco geredet … gab es zu Ihrer Zeit schon KS-Partys?

Ja! Aber damals hatten wir nicht die Regelung, dass man ein Attest vorlegen muss, wenn man am nächsten Tag zu Hause bleibt. Es hat schon geheißen „wer ausgeht, kann am nächsten Tag wieder aufstehen und in die Schule gehen “. Bei uns sind alle dann immer in der Schule aufgetaucht, egal was war. *lacht*

In welchem Jahrgang haben Sie Abitur gemacht?

2005

oh da war ich ein Jahr alt“ *beide lachen*

Das ist es tatsächlich, der Zeitpunkt ab 2000, wenn das jemand sagt „ich bin 2000 geboren“. Das ist dann schon „wow“ – ich verstehe, dass ich für einen Fünftklässler schon alt rüberkomme, aber ich selber fühle mich noch gar nicht so alt. Im Referendariat ist es so komisch gewesen, da waren die Zehntklässler gerade fünf Jahre jünger als ich selber. Und wenn ich dann sehe, dass meine erste fünfte Klasse schon vor zwei Jahren Abitur gemacht hat, denke ich mir „wow, wo ist die Zeit hin?“

Aber selber fühle ich mich gar nicht so alt tatsächlich. Bald sind es schon 20 Jahre als Lehrerin, kaum zu glauben.

Macht Ihnen der Unterricht genau so viel Spaß wie am Anfang?

Ja! Ja, das Unterrichten selber macht immer auf jeden Fall genauso viel Spaß. Wobei das Unterrichten so ein bisschen auch von der Klasse abhängt. Aber der Unterricht selber, für das bin ich Lehrer geworden. Ich könnte mir momentan auch nicht vorstellen, einen Posten an der Schule zu haben, wo man weniger unterrichtet. Ein Schulleiter zum Beispiel unterrichtet kaum noch. Wobei ich das Gefühl habe, der Unterricht alleine reicht mir nicht aus, weil in den 45 Minuten kriege ich zu wenig mit, wie es den Schülern so geht. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich auch etwas anderes mache, ein Wahlfach zum Beispiel, weil da komme ich auch so mit Schülern zusammen, auch auf einer anderen Ebene, da kann man sich auch anders unterhalten. Also nur Unterricht alleine: rein gehen, unterrichten, in die nächste Stunde gehen, das ist mir zu wenig.

Was versuchen Sie außer dem Unterrichtsstoff den Schülern mitzugeben?

Was ich nächstes Jahr anbiete, ist das Wahlfach „Jugend trifft Alt“ in Kooperation mit dem Seniorenheim. Da kann ich die Schüler anders kennenlernen und gleichzeitig kann ich den Schülern etwas mitgeben. Zum Beispiel, dass man keine Hemmungen oder Ängste vor älteren Leuten haben muss

Um was geht’s bei dem Projekt?

Es kann jeder ab der fünften Klasse bis hin zur Oberstufe teilnehmen und wir veranstalten regelmäßige Treffen mit den Leuten im Seniorenheim, einfach miteinander basteln, singen, Spielenachmittag, etwas wie Weihnachtskonzert. Da können die Jungen mit den Älteren in Gespräch kommen, ist auch eine Abwechslung vom Alltag, irgendwo auch Selbstsicherheit-Gewinnung. Man merkt, dass man keine Angst haben muss beim Umgang mit älteren Menschen. Ich glaube, die Gespräche tun beiden Seiten gut und ich habe gleichzeitig auch die Möglichkeit einfach mit den Schülern in einer anderen Form in Kontakt zu kommen.

Und zum Schluss: Gibt es etwas, das Sie als Lehrerin allen Schülern unbedingt als Tipp mitgeben wollen? Etwas, das Sie jedem unbedingt sagen wollen?

Schüler, genießt die Schulzeit! Ich weiß, dass man ganz viel über Lehrer und Unterricht schimpft, aber im Rückblick tatsächlich ist die Schulzeit eine von den Schönsten. Dieses Miteinander! Ab dem Studium hat man natürlich auch Freunde und Bekannte, aber dann ist es eher ein Kommen und ein Gehen. Die intensivste Zeit tatsächlich mit anderen Leuten hast du in der Schulzeit und wenn von der Zeit ein, zwei Leute bleiben, zu denen man immer noch dann Kontakt hat, dann ist es schön. Also auf jeden Fall die Schulzeit genießen!!


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