„Wenn man das Fraunhofer von heute und früher vergleicht, ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt er lächelnd und verweist dabei nicht nur auf die vielen verschiedenen, modernen Anbauten des Joseph-von-Fraunhofer Gymnasiums, sondern auch auf den Umgang zwischen Lehrer und Schüler. Herr Urban, Lehrer und Oberstufenkoordinator des JvFGs, ist seit seiner eigenen Schulzeit unserer Schule treu geblieben und nach seinem Studium und seiner Zeit als Referendar sofort wieder ans JvFG zurückgekehrt. Dort unterrichtet er bis heute. Im folgenden Interview erzählt er uns von seiner eigenen Schulzeit und gibt ein paar spannende und lustige Einblicke in das Lehrerleben.
Wie würden Sie das Fraunhofer Gymnasium in drei Worten beschreiben?
Das ist eine der schwierigsten Fragen für mich. Ich entscheide mich für bunt, erfolgreich und lebendig.
Und warum genau diese drei Wörter? Haben Sie dafür einen Grund?
Weil mir nichts Besseres eingefallen ist (lacht). Nein, Spaß, „bunt“ spricht für die Vielfalt, „erfolgreich“, weil viele Erfolge von Schülern des Fraunhofers erzielt wurden und „lebendig“, weil es nie langweilig wird.
Was mögen Sie am meisten an unserer Schule?
Da gibt es viele einzelne Sachen. Ich finde, an unserer Schule herrscht ein gutes Klima und was immer an unserer Schule, die eher in ländlicher Gegend liegt, unterschätzt wird, ist, dass die Schüler in der Regel total umgänglich und handsam sind. Also kurz gesagt: die Art der Schüler und meinen Job als Oberstufenkoordinator.
Wie sind Sie denn eigentlich zum Oberstufenkoordinator geworden?
Ich bin darauf angesprochen worden, ob ich diese Aufgabe machen würde. Denn meine Vorgängerin wechselte als zweite Schulleiterin auf das Gymnasium in Kötzting. Daraufhin wurde also neben „Vogl Sepp“ (Herr Vogl, ehemaliger Lehrer des JvFGs) ein Posten als Oberstufenkoordinator frei. Anfänglich war ich von dieser Aufgabe nicht überzeugt, aber Herr Vogl hat mir dann erzählt, wie toll dieser Job sei, sodass ich mich dann doch dafür entschied und es hat von Anfang an gepasst.
Team Naturwissenschaft oder Team Sprachlich?
Das ist definitiv die leichteste Frage, das ist natürlich die Naturwissenschaft.
Wie empfanden Sie Ihre Schulzeit am Fraunhofer?

Da kann ich etwas weiter ausholen, weil meine Schulzeit am JvFG ja schon sehr lange zurück liegt. Das erste Jahr empfand ich als sehr schwierig, wenn ich es mit der jetzigen Zeit vergleiche, denn heute gibt es ja viele Veranstaltungen, bevor man auf die weiterführende Schule kommt, um die Schule zu besichtigen, z. B. den „Tag der offenen Tür“. Tutoren, die einem in den ersten Tagen beim Zurechtfinden in der Schule helfen, gab es zu meiner Zeit auch noch nicht. Wir haben am ersten Schultag also gleichzeitig die Schule auch zum ersten Mal betreten. Außerdem war die Umstellung von der Grundschule, damals „Volksschule“, auf das Gymnasium schwer, für alle Schüler. Aber nach der Eingewöhnungsphase hat mir die Schulzeit sehr gut gefallen und ich habe mich dann auch mit dem Fraunhofer identifiziert.
Was war Ihr Lieblingsfach?
Auch früher war mein Lieblingsfach schon Mathe, aber auch Sport.
Und hatten Sie einen Lieblingslehrer?
Ich hatte einen Lehrer, der mich geprägt hat; das war der Herr Aschenbrenner. Diesen hatte ich in Mathe in der Oberstufe, also von 11. bis zur 13. Klasse. Damals gab es noch Leistungskurse. Der hatte bei uns den Spitznamen „Gauss“. (Gauss ist der wichtigste, bekannteste deutsche Mathematiker.) Der Lehrer hat mich von Anfang an geprägt; ich bin super mit seinem Unterricht zurechtgekommen. Außerdem hat mich sein Wissen sehr beeindruckt. Das, was ihn von den anderen Lehrern unterschieden hat, war, dass die allermeisten Lehrer das beherrschen, was sie im Unterricht den Schülern beibringen müssen. Alles andere vom Studium vergessen die meisten ziemlich schnell wieder. Aber Herr Aschenbrenner hat nichts vergessen: der konnte den gesamten Studienstoff, konnte alle Aufgaben vom Bundeswettbewerb in Mathe ohne Probleme lösen, obwohl da echt sehr schwierige Aufgaben dabei sind und bei denen auch die durchschnittlichen Mathelehrer keine Chance hatten, diese zu lösen. Allerdings war er bei schwächeren Schülern „gefürchtet“, weil er doch sehr hohe Anforderungen hatte.
Hatten Sie damals schon Lehrer, die heute noch unterrichten?
Wenn es solche noch geben würde, dann müssten die jetzt schon weit über 70 Jahre alt sein. Aber als ich am JvFG das erste Mal unterrichtet habe, waren schon noch viele Lehrer da, die ich in meiner Schulzeit hatte. Mittlerweile sind alle jetzt in Pension, einige sind auch schon verstorben. Also ist es eher umgekehrt: ich habe einige Kollegen:innen als Lehrer getroffen, die ich schon als Schüler hatte, wie z. B. Frau Senbert, Herrn Scheubeck oder Frau Laurer. Aber meine eigenen Lehrer von damals sind mittlerweile alle im Ruhestand.
Waren die Fächer, die Sie heute unterrichten, schon immer ihre Lieblingsfächer?
Mathe war eigentlich durchgehend mein Lieblingsfach. Darin war ich auch von Anfang an gut; es hat mir auch geholfen, in der 5.Klasse die Probezeit zu überstehen. Denn da war ich in Deutsch und Englisch ziemlich schlecht. Physik hat auch zu meinen Lieblingsfächern gezählt, allerdings habe ich Physik in der Oberstufe gar nicht wählen können, weil es keinen Physikkurs gab. Ich bin dann auf Chemie ausgewichen und hätte mir dann auch vorstellen können, Chemie zu studieren, aber diese Fächerkombination gab es leider an der Uni nicht. Damals war es klassisch, dass man Mathe in Verbindung mit Physik studiert, heutzutage gibt es viel mehr Möglichkeiten.
Welche Wahlfächer hatten Sie?
Wahlfächer gab es bei uns überhaupt nicht, aber in der 5. Klasse gab es etwas Ähnliches, wo wir die griechische Schrift gelernt haben, aber das war eher ein gezwungener Wahlkurs, also nicht freiwillig.
Gab es zu Ihrer Zeit schon KS-Partys?
Eindeutig nein. In der damaligen Zeit waren wir auch noch nicht so mobil. Also wenn in Cham etwas los war, sind nicht so viele Schüler gekommen wie in der heutigen Zeit. Da hatte auch kaum jemand ein Auto.
An welches lustige Ereignis auf einer Klassenfahrt erinnern Sie sich gern?
Das, was mir als erstes dazu einfällt, ist unsere Abschlussfahrt. Da fährt man in die Bundeshauptstadt, das war zu meiner Zeit noch nicht Berlin, sondern Bonn. Natürlich hatten wir alle wenig Schlaf, die Nächte waren kurz und am Abend mussten wir dann in ein klassisches Ballett gehen. Also in kein Musical oder Theater, wo man heutzutage hingeht, sondern in ein richtig klassisches Ballett.
Da sind wir schon zu spät hingefahren und erst nach Beginn angekommen – eigentlich hätten die uns gar nicht mehr reinlassen dürfen, aber wir sind dann trotzdem reingekommen, nachdem das dann unser Lehrer geklärt hat. Und dann sind wir da dringesessen und, das weiß ich noch, wir sind alle reihenweise eingeschlafen. Das war so „spannend“, das klassische Ballett, dass sie uns am Ende aufwecken mussten, aber da ist tatsächlich die Hälfte vom Jahrgang eingeschlafen.
Und das ist auf Ihrer Abschlussfahrt passiert?
Ja, das war auf meiner eigenen, müsste so um 1980 gewesen sein. Im Winter oder Herbst, das weiß ich gar nicht mehr so genau.
Und haben Sie als Lehrer auf Klassenfahrt schon mal so ein lustiges Erlebnis gehabt?
Ja, da gibt es schon ein paar Geschichten. Da muss ich kurz nachdenken, was man da erzählen kann. Da fällt mir jetzt eine Geschichte ein, die ich gemeinsam mit dem „Vogl Sepp“ erlebt habe. Auf Klassenfahrt ist man ja auch immer in so einem Hotel und die Schüler dürfen dann am Abend alleine wegfahren mit der Vorgabe, dass sie zu einer bestimmten Zeit wieder da sein müssen. Das war zu Zeiten von G9 – da waren die ältesten also schon 18 oder 19 Jahre alt. Dann haben wir den Schülern am letzten Tag bis um zwei Uhr in der Nacht frei gegeben; sie durften also bis um zwei unterwegs sein. Allerdings sind zwei nicht zurückgekommen und irgendwann, so um halb drei, haben sie angerufen und gesagt, dass sie in die falsche U-Bahn eingestiegen sind und bis zur Endstation dieser Bahn gefahren sind und jetzt auf einem Bahnhof außerhalb von Berlin stehen, und dass das die letzte U-Bahn war – sie kommen jetzt quasi nicht mehr weiter und zum Hotel.
Und wie sind sie dann zurückgekommen?
Die haben sich dann ein Taxi nehmen müssen und waren dann um vier wieder im Hotel. Also eigentlich waren die beiden die ärmsten, denn die haben sich da natürlich überhaupt nicht ausgekannt und waren noch dazu zwei „Brave“, die sich sicher nicht „die Birne vollgebrannt haben“. Dann hat der Vogl Sepp ihnen gesagt, dass sie sich als Strafe aussuchen können, ob sie nach Hause fahren oder ob sie beim Abischerz den Pausenhof sauber machen. Dann haben sie sich gefreut und natürlich gesagt, dass sie den Pausenhof sauber machen. Beim Abischerz dann aber war es so, dass die Schüler da so Strohtürme aufgebaut haben und dann haben die zwei den ganzen Hof mit Besen kehren müssen. Es war dann letztendlich schon eine heftige Strafe. Aber so Erlebnisse auf Abschlussfahrten mit Schüler-Heimschicken könnte ich schon noch mehr erzählen; das würde aber den Rahmen sprengen.
Was ist für Sie die wichtigste Veränderung an unserem Schulgebäude seit Ihrer eigenen Schulzeit?
Also, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, würde ich sagen. Das Gebäude aus meiner Schulzeit war dunkel, kalt, alles andere als bunt und war auch kleiner. Also ganz am Anfang, als ich so ein 5. Klässler war, gab es auch die Dreifachturnhalle noch nicht, ich weiß gar nicht, wo wir da Sport hatten. Das wird irgendeine Einfachhalle gewesen sein. Den Naturwissenschaftsanbau gab es damals auch noch nicht, den Musikpavillon gab es nicht und die Ausstattung war natürlich wie die damalige Zeit halt war. Und wenn ich es mit dem jetzigen vergleiche, modernes Naturwissenschaftsgebäude, moderner Musikpavillon, überall wo man hinschaut, hat man einen schönen Ausblick. Ein Unterschied war natürlich auch die Mensa, weil es damals keine Mensa gab; da gab es einen Kiosk, wo man sich eine Wurstsemmel kaufen konnte. Also ist es jetzt auf jeden Fall viel schöner.
Wie hat sich die Schulgemeinschaft verändert?
Was ist genau mit Schulgemeinschaft gemeint? Sind da die Menschen gemeint im Verhältnis zueinander? Also zwischen Schüler und Lehrer?
Ja, und ob sich da etwas verändert hat.
Also es gab vier Direktoren, die ich miterlebt habe und zu meiner Schulzeit war der Herr Utz der Direktor und der war sehr unnahbar und hat sich ganz weit über alle anderen gesehen und ich finde, dass zumindest manche Lehrer schon das Gefühl vermittelt haben, dass man als Schüler deutlich weniger wert ist als sie selber und man nichts zu sagen habe. Im gleichen Atemzug muss ich aber sagen, dass es auch andere Lehrer gab und dass wir als Schüler genauso „böse“ zu den Lehrern waren, wie die Schüler jetzt. Also wir hatten auch manche, die wir total geärgert haben. Ich kann mich noch erinnern, dass ich kurz vorm Abitur, in der vorletzten Stunde Geografie, aus dem Unterricht rausgeschmissen wurde und dann zum gleichen Lehrer in dieses Kolloquium musste. Natürlich war das Kolloquium dann mein schlechtestes Fach im Abitur. Aber, zwischen Lehrer und Schüler, glaube ich, ist jetzt insgesamt ein engeres Verhältnis: ungezwungener, oder wie soll man sagen, man begegnet sich jetzt mehr auf Augenhöhe. Das Verhältnis unter den Kollegen ist bei uns, finde ich, auch gut; wie es damals unter den Lehrern war, konnte ich als Schüler nicht beurteilen.
Welche Regeln gab es zu Ihrer Schulzeit, die inzwischen abgeschafft worden sind?
Da fallen mir zwei ein. Die eine Regel ist, dass wir am Samstag zur Schule gehen mussten. Das wurde dann stufenweise abgeschafft irgendwann. Zuerst hat man jeden Samstag gehen müssen, irgendwann nur noch jeden zweiten Samstag und die Schumanisten (Schüler des Schuman-Gymnasiums) hatten dann schon frei, die haben das früher abgeschafft als das Fraunhofer. Dann hat es geheißen, dass das Fraunhofer konservativ ist, aber da steht auch wieder unsere damalige Schulleitung dahinter. Also das ist eine Regel, die es heute nicht mehr gibt, dass man am Samstag zur Schule muss. Daneben ist mir noch eingefallen, dass es die Hitzefrei-Regel nicht mehr gibt. Da hatten wir eine feste Regel, wenn hinten an der Nordseite, an einer bestimmten Stelle, das Thermometer so und so viel Grad angezeigt hat, war hitzefrei. Jetzt gibt es das nicht mehr. Aber trotz dieser Regel von damals hatten wir viel weniger frei als das Schuman, weil unser Thermometer an einem sehr kalten Ort gehangen ist (lacht).
Gab es dann wegen Schnee bzw. Sturm auch mal Schulausfall, so wie es jetzt ab und zu mal vorkommt?
Dass wegen Schnee die Schule ausgefallen ist, kann ein, zwei Male passiert sein, aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern.
Also eher hitzefrei?
Ja, aber auch selten.
Wie ändert sich das Verhältnis, wenn ehemalige Lehrer zu Kollegen werden?
Also so krass verändert sich das Verhältnis nicht. Aus einem einseitigen wird ein beidseitiges „Du“. Aber ich freue mich immer, wenn, ich muss das jetzt wieder umdrehen, ehemalige Schüler von mir als Lehrer kommen. Das zeugt davon, dass sie gerne an unsere Schule zurückgehen. Also das ist auf jeden Fall etwas Positives, finde ich.
Aus welcher Motivation heraus sind Sie Lehrer geworden und wann haben Sie ihren Entschluss im praktischen Unterricht zum ersten Mal bereut?

Also die Motivation war eine Mischung aus Interesse zur Mathematik und die Frage, was man mit Mathe machen kann und das andere ist, dass ich halt gerne mit jungen Menschen zu tun habe und um das zu kombinieren, bietet sich das Lehramt gut an. Ich habe als junger Mensch, als Schüler auch schon, aber vor allem dann als Student, viel Tennisunterricht gegeben und habe mit dem Geld auch mein Studium mitfinanziert. Also von daher habe ich schon gewusst, dass mir das gefallen würde, wenn ich anderen etwas beibringe. Und so war es dann einfach diese Mischung, Interesse an Mathe, jungen Menschen und den letzten Kick hat tatsächlich dieser Mathelehrer in der Oberstufe, der Herr Aschenbrenner, gebracht. Der hat mir das dann eigentlich auch noch mal aufgezeigt, dass das was für mich ist. Er hat mich dann allerdings mal „geschimpft“, als ich zu so einem Praktikum gekommen bin, so ein Orientierungspraktikum, weil, als ich zum Studieren angefangen habe, war das eine Zeit, wo es hieß, dass Lehrer keine Stelle bekommen. Da gab es einen großen Überfluss an Lehrern, da hat es geheißen, dass man gar nicht erst anfangen soll, weil man eh nichts bekäme. Und als ich dann da zum Praktikum gekommen bin, hat er mich gesehen und mich gefragt, was ich denn jetzt hier mache. Dann habe ich gesagt, dass ich jetzt auch Mathe bzw. Lehramt studiere. Dann hat er gefragt, warum ich das denn mache, denn es gibt ja keine Jobs und dass ich Mathe machen soll und in die Wirtschaft gehen soll. Ich habe mir gedacht, wenn ich Mathe studiere und als Lehrer keine Stelle bekomme, kann ich immer noch in die Wirtschaft gehen, also da würde man dann schon irgendeinen Posten bekommen in einer Computerfirma oder so. Das war also mein Hintergedanke. Aber diese Situation am Lehrermarkt hat sich dann kurz bevor ich mit dem Studium fertig geworden bin entspannt und wir waren dann eigentlich der erste Jahrgang, wo wieder mehr Lehrer eingestellt worden sind. Und dann ist noch zufälligerweise am Fraunhofer eine Stelle frei geworden.
Also sind Sie seit Anfang an am Fraunhofer?
Also nach der Referendarzeit bin ich gleich ans Fraunhofer gekommen. Ich habe den damaligen Schulleiter vom Volleyball gut gekannt, den Herrn Drauschke. Der hat mich dann namentlich für die Stelle angefordert und deswegen hat das dann geklappt.
Und den Entschluss, Lehrer zu werden, habe ich noch nicht bereut. Vielleicht kommt das noch (lacht).
Macht das Unterrichten im Laufe der Jahre eher mehr oder weniger Spaß?
Ich will jetzt nicht sagen, mehr oder weniger Spaß, aber es verändert sich. Also am Anfang hat man halt noch viel mit den Vorbereitungen für die Stunden zu tun und später braucht man dann nicht mehr so viel vorbereiten. Bei mir ist es jetzt auch noch so, dass ich einen größeren Teil an Verwaltungsarbeiten habe mit der Kollegstufenbetreuung. Also da hat man dann nicht mehr so viel Zeit für den Unterricht, aber es macht mir jetzt deswegen nicht weniger Spaß, wobei ich zugeben muss, dass man als junger Lehrer, glaube ich, mehr Power hat. Auch mehr Ideen, ich habe früher z.B. mehr ausprobiert, auch mal Unterrichtsformen. Ich kann mich erinnern, wir haben mal ein Modell ausprobiert, da haben wir mal drei Stunden hintereinander Mathe gehabt, das hat sich aber nicht bewährt. Aber wie schon gesagt, man ist da als junger Mensch irgendwie ideenreicher, aber der Spaß ist eigentlich ähnlich geblieben.
Was versuchen Sie Ihren Schülern über den Unterrichtsstoff hinaus noch zu vermitteln?
Ich weiß, dass es Kollegen gibt, die ihre Weisheiten gerne weitergeben, ich bin da eher nicht so, dass ich stundenlang etwas erzähle. Ich versuche eher zu vermitteln, dass so Werte wie Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit honoriert werden. Und ich versuche eine gewisse Vorbereitung auf das Studium oder auf einen Beruf zu vermitteln, das hängt jetzt auch wieder mit meiner Funktion (als Oberstufenkoordinator) zusammen, dass man beratend tätig ist.
Wenn Sie eine Sache am Fraunhofer verändern könnten, was wäre das?
Da würde ich sagen, dass manchmal vielleicht weniger mehr wäre. Das soll heißen, bei uns gibt es halt wahnsinnig viel außerhalb des Unterrichts; Fahrten, Veranstaltungen, Aufführungen, alles Mögliche. Und das stört halt den geregelten Unterricht oft. Und es kommt immer wieder etwas Neues dazu, dann hat wieder jemand eine Idee und möchte was machen, dann kommt wieder was dazu, obwohl man eigentlich sagen muss, wir sollten das reduzieren. Wenn ich da was verändern könnte, dann würde ich da einfach dieses ganze Zusatzprogramm reduzieren.
Welchen Tipp würden Sie den heutigen Schülern geben?
Ja, einfach den Optimismus, den die jungen Menschen haben, zu bewahren. Es macht einen riesigen Unterscheid, ob man mit jungen Menschen zusammen ist oder mit einer Gruppe von Älteren, die nur nörgeln und schimpfen über das Leben. Man sieht, wie man sich im Laufe des Lebens verändert und das ist auch eigentlich das wunderbar schöne am Lehrerberuf, dass man mit vielen Jungen zusammenarbeitet. Die machen Blödsinn, aber die jammern nicht, also die sind immer irgendwie gut drauf. Dass man sich das bewahrt, dass man auch mit Selbstbewusstsein durch das Leben geht, das würde ich als Tipp geben.
